Gewaltprävention

👉🏻 Gewaltpräventation
👉🏻 Was ist sexuelle Gewalt
👉🏻 Wie können wir sexuelle Gewalt vorbeugen
👉🏻 Wie kann ich handeln, wenn ich sexuelle Gewalt mitbekomme
👉🏻 Ich verpflichte mich

Gewaltpräventation:
Sportliche Aktivitäten bieten ein hohes positives Potential zum Erwerb von Selbstbehauptungskompetenzen und zur Persönlichkeitsentwicklung. Körperlichkeit und Körperkontakt sind gerade im Sport verstärkter präsent als in vielen anderen Lebensbereichen. Dies sind grundsätzlich positive Aspekte, solange sie nicht übergriffig oder zur Machtausübung missbraucht werden und die Grenzen der Schutzbefohlenen gewahrt bleiben. Ebenso gilt für Teilnehmer an Freizeitangeboten, dass respektvoller Umgang und eine wertschätzende Kommunikation wichtig ist und sie in ihrer Art, Diversität und Ausprägung akzeptiert werden. Dabei ist zu beachten, dass auch alle Personen ihren Fähigkeiten entsprechend, die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse, Sorgen und Beschwerden zu äußern.

Kurz erklärt:
Sport ist gut für die Entwicklung von Kindern und Erwachsenen.
Dabei gibt es oft Körperkontakt. Das ist okay – solange niemand Grenzen überschreitet.
Alle sollen respektvoll behandelt werden und dürfen sagen, wenn ihnen etwas unangenehm ist.

Was ist sexuelle Gewalt:

Unter die enge Definition von sexueller Gewalt fallen Übergriffe wie sexueller Missbrauch von Unmündigen, Nötigung oder Vergewaltigung, jedoch fallen in die weite Definition auch Grenzverletzungen und Übergriffe, die nicht strafrechtlich relevant sind, aber dennoch unpassend sind und die sexuelle Integrität verletzten. Unter die weite Definition können Dinge wie, sexistische Witze, Andeutungen oder Durchführung unerwünschter Berührungen ( vor allem im Intimbereich), das Zeigen pornografischer Darstellungen, obszöne oder anzügliche Andeutungen, fallen.

Sexuelle Gewalt kann nicht nur zwischen Trainern und Sportlern oder Betreuern und Teilnehmern am Freizeitangebots, sondern auch zwischen Sportlern oder zwischen Trainern oder zwischen Betreuern oder zwischen Teilnehmern am Freizeitangebot auftreten. In allen Fällen sollte die Situation ernstgenommen werden und, wenn gewünscht wie in den folgenden Punkten erklärt, gehandelt werden.

Kurz erklärt:
Sexuelle Gewalt bedeutet nicht nur schwere Straftaten.
Auch unangenehme Berührungen, sexistische Witze oder anzügliche Nachrichten gehören dazu.
Das kann zwischen Trainern, Teilnehmern oder anderen Personen passieren.
Alles muss ernst genommen werden.

Wie können wir sexuelle Gewalt vorbeugen:

Prävention von sexualisierter Gewalt bedeutet, durch das Setzen geeigneter Maßnahmen, derart positiv auf das Umfeld einzuwirken, dass alle die am Sportgeschehen beteiligt sind vor Übergriffen bestmöglich geschützt sind. Allerdings gibt es nicht die eine Maßnahme, die sexualisierte Gewalt verhindern kann, jedoch sind breit angelegte und auf verschiedenen Ebenen ansetzende Präventionsmaßnahmen der beste Schutz vor sexuellen Übergriffen.

Dafür eignet sich der Handlungsleitfaden von 100% Sport:

  • Achtung der Privatsphäre bei Duschsituationen
  • Information an Sportler, Teilnehmer an Freizeitangeboten und Erziehungsberechtigte über notwendige Berührungen bei sportlichen Hilfestellungen, Technikerklärungen oder bei Spielen/Freizeitaktivitäten
  • Körperkontakte (z.B. Umarmungen, Streicheln uä.)  bei Erfolgen, zum Trösten oder um Mut zu machen müssen vom Sportler/Teilnehmer an Freizeitangeboten erwünscht und gewollt sein und dürfen das pädagogisch sinnvolle Maß nicht überschreiten
  • 6-Augen-Prinzip (eine weitere Person – Trainer/Sportler/Teilnehmer an Freizeitangeboten – ist anwesend)
  • Keine Privatgeschenke/Vergünstigungen an einzelne Sportler/Teilnehmer an Freizeitangeboten (dies erschwert es potentiellen Tätern, Kinder in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen
  • Keine privaten Einladungen von Sportlern/Teilnehmern an Freizeitangeboten seitens der Trainer /Betreuer (Gefahr von Missbrauch des Autoritätsverhältnisses durch Täter!)
  • Prinzip der offenen Tür bei Einzeltrainings bzw. 1-1-Betreuungssituationen (Türen werden nicht abgeschlossen; dies erschwert Übergriffe, da jederzeit eine Person den Raum betreten könnte)
  • Einfordern von respektvollen Umgangsformen und wertschätzender Kommunikationskultur (angemessene Ansprache von Sportlern/Teilnehmern an Freizeitangeboten etc.)
  • Checklisten für Sicherheit bei Trainingslagern, Auswärtsspielen/-wettbewerben, auswärtigen Übernachtungen (Zimmereinteilung, Betreuungspersonen unterschiedlicher Geschlechter etc.)
  • Transparente Kommunikation zwischen Trainern und Sportlern (z. B. keine privaten Nachrichten abseits des sportlichen Kontexts zwischen Trainern und Sportlern per SMS, WhatsApp etc.)
  • Regelungen für das Betreten der Umkleiden
  • Bei Irritationen hinschauen, Rücksprache im Team halten und bei Unklarheiten Hilfe holen

Kurz erklärt:
Wir wollen Übergriffe verhindern, bevor sie passieren.
Dafür gibt es klare Regeln, die alle schützen.
Beispiele:

  • Privatsphäre beim Duschen respektieren
  • Berührungen vorher erklären
  • Körperkontakt nur wenn gewünscht
  • Trainings nie ganz alleine (6-Augen-Prinzip)
  • Keine privaten Geschenke oder Einladungen
  • Keine privaten Chat-Nachrichten außerhalb des Sports
  • Respektvolle Sprache und Verhalten
  • Hilfe holen, wenn etwas komisch wirkt

Wie kann ich handeln, wenn ich sexuelle Gewalt mitbekomme:

Von sexualisierter Gewalt betroffene Sportler oder Teilnehmer an Freizeitangeboten müssen wissen, an wen sie sich wenden können, um rasch und unkompliziert Hilfe zu erhalten. Falls man sich an dich direkt wendet, sollest du ungefähr wissen, wie man damit am besten umgeht

Es sollte der Situation entsprechend und verhältnismäßig reagiert werden, wichtig ist es abzuklären, ob es sich um eine Irritation, einen vagen, oder um einen konkreten Verdacht handelt. Danach ist das oberste Prinzip, mit dem Verdacht nicht alleine zu bleiben, sondern sich kollegial oder mit einer Fachperson auszutauschen.

Wichtig ist, dass Ruhe bewahrt wird, die Aussagen ernstgenommen und die Übergriffe nicht verharmlost werden, auch sollte man auf die Wünsche der Betroffenen eingehen, was nächste Handlungsschritte betreffen.

Falls man sich mit der Situation überfordert fühlt, sollte man sich unbedingt Hilfe dazu holen, hier gilt auch, lieber öfter mal Hilfe holen als zu spät zu reagieren.

Wenn Jemand sexualisierte Gewalt erfährt, ist es wichtig, nicht zu schweigen, sondern es einer vertrauten Person zu erzählen. Dies können sein: die Eltern, der Trainer, der Betreuer, ein befreundeter Sportler

Kurz erklärt:
Wenn du etwas bemerkst oder jemand dir etwas erzählt:

  • Ruhig bleiben
  • Zuhören und ernst nehmen
  • Nicht alleine damit bleiben
  • Hilfe holen
  • Wünsche der betroffenen Person respektieren

Lieber einmal zu viel Hilfe holen als zu spät.

Ich verpflichte mich:

  • alle Sportler /Teilnehmer an Freizeitangeboten unabhängig von deren Behinderung respektvoll, fair und wertschätzend zu behandeln und zudem Diskriminierungen jeglicher Art zu vermeiden und verhindern
    Kurz erklärt: Ich behandle alle fair und ohne Diskriminierung.
  • positiv zur Gewaltprävention beizutragen und keinerlei Gewalt (insbesondere keine sexualisierten Übergriffe in Worten, Gesten und Handlungen) gegenüber den mir anvertrauten Personen (mit und ohne Behinderung) anzuwenden und zuzulassen
    Kurz erklärt: Ich wende keine Gewalt an und lasse keine Gewalt zu.
  • die persönlichen Grenzen und individuellen Empfindungen zu Nähe und Distanz aller Personen zu achten und mich dementsprechend respektvoll zu verhalten
    Kurz erklärt: Ich achte darauf, was für andere angenehm oder unangenehm ist.
  • bewusst zu handeln, wenn sich jemand an mich mit einem Verdacht auf (sexuelle) Gewalt wendet, zudem bemühe ich mich bei Konflikten um offene und gerechte Kommunikation, sowie humane Lösungen
    Kurz erklärt: Wenn jemand Hilfe braucht, höre ich zu und handle verantwortungsvoll.
  • alle meine Trainingsmaßnahmen / Betreuungsmaßnahmen dem Alter, der Erfahrung sowie dem aktuellen physischen und psychischen Zustand der Sportler / Teilnehmer an Freizeitangeboten anzupassen
    Kurz erklärt: Ich passe Training an Alter, Erfahrung und Gesundheit an.
  • die Individualität der Sportler /Teilnehmer an Freizeitangeboten zu unterstützen, auch im Hinblick auf deren spätere Leben
    Kurz erklärt: Ich unterstütze die persönliche Entwicklung jedes Teilnehmers.
  • meinen Verein umgehen darüber zu informieren, wenn ein Verfahren gemäß §§ 201-220b StGB anhängig ist
    Kurz erklärt: Wenn gegen mich ein Verfahren wegen Sexualdelikten läuft, informiere ich den Verein.
  • bei Unsicherheiten oder Überforderung im Bereich (sexueller) Gewalt oder generellen Ungerechtigkeiten spreche ich mich mit Vertrauenspersonen ab oder nehme professionelle Hilfe in Anspruch.
    Kurz erklärt: Wenn ich unsicher bin, hole ich mir Unterstützung.

P.S.: Zur Vereinfachung, Verständlichkeit und besseren Lesbarkeit wird auf das Gendern verzichtet. Es sind immer alle Geschlechter gemeint.
Kurz erklärt: Mit allen Bezeichnungen sind immer alle Geschlechter gemeint.

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